100 Besucher zur Dichterlesung mit Musik auf dem alten Herrensitz Schloss Beck

Poetenhocker und musikalische Kostbarkeiten und – wieder ein volles Haus zur „Dichterlesung mit Musik“ auf Schloss Beck. Diesmal ließen sich die Mitglieder und Freunde des Vereins für Orts- und Heimatkunde Kirchhellen (HV) und der Historischen Gesellschaft (HG) in das Leben und Wirken Joseph von Eichendorffs entführen. „Einem der wichtigsten Vertreter der deutschen Romantik, mit dem“, so Elsbeth Müller in ihren biografischen Skizzen, „die romantische Bewegung ausklang, indem sie zugleich durch  ihn am stärksten auf die breiten Schichten des Volkes wirkte.“ 100 Besucher konnten Peter Pawliczek (HV) und Dr. Hanns W. Große-Wilde (HG) zu der nunmehr sechsten Gemeinschaftsveranstaltung begrüßen – mit Dankadresse an die Schlossherrin, Renate Kuchenbäcker und Familie.

Leben, Werk und Umfeld  des Joseph von  Eichendorff

Rezitationen (Peter Pawliczek, Elsbeth Müller) wechselten mit (gemeinsamen) Gesängen, zwischengefasst   unschwülstig,  brillant interpretierte Romantik nach Schumann, Schubert, Mendelssohn-Bartholdy auf dem  Piano (Solo: Heinz Witte, Moers, ehemaliger Kantor Heilig-Kreuz-Kirche Bottrop) und fein  (ab)gestimmte Mandolinen (Anke Schmidt, Erich Schüttauf, Zupforchester Kirchhellen) mit schönsten kompositorischen Weisen. Das alles passte zum Interieur des spätbarock’schen  Schloss-Saales: Zurücklehnen und ein wenig lauschen bei Kerzenschein – das traf dann auch den Nerv der Besucher. Sie spendeten viel Beifall.   

Im poetischen Vermächtnis des Schlesiers, Joseph Freiherr von Eichendorff, geb. 1788 auf Schloss Lubowitz (Ratibor), gest. 1857 in Neisse,  hat das Lebensgefühl der Romantik eine vielleicht vollkommene Gestalt gefunden. Sehnsucht, ein Schlüsselwort der Epoche,  ist auch Dominante seines Werkes.  Die Texte transportieren Bilder aus der Natur, Ferne, Freiheit in den seelisch-sinnlichen Bereich. „Leben, Werk und Umfeld“ des Lyrikers  stellte  E. Müller vor. Ausgewählte Zitate und Briefauszüge riefen dazu Zeitgenossen,  auch Begegnungen mit Clemens Brentano, Achim von Arnim , auf. Gedichte erinnerten vertontes Liedgut wie  u. a. „Markt und Straßen steh’n verlassen“, das an diesem Abend von schöner Mandolinenmusik gezeichnet war. .Zu  rezitierten und instrumental begleiteten Volksweisen wie  „O Täler weit, o Höhen“ stimmten die Zuhörer spontan mit ein.

Gekonnt las Peter  Pawliczek  aus „Marmorbild“, „Aus dem Leben eines Taugenichts“ u.a,.  mit Prosa, auch  ausgewählten Versen, wie „Mondlicht“ verstand er es glänzend, den Besuchern  Stimmungen und Sichtweisen Eichendorffs  nahe zu bringen.

 

Zum Finale gab’s wieder dicken Applaus und das „Kröseken“

Das Wohlgefühl der Schlossatmosphäre erfuhr eine Steigerung im Gemeinschaftsgesang  (Wer hat dich du schöner Wald). Zum Finale mit großem Applaus gab es dann das _“Kröseken“  - ein Glas Rotwein - im Vestibül des ehemaligen Herrenhauses: 100 Minuten phantastische Kurzweil: HV und HG kündigen schon jetzt den nächsten Poetenhocker mit Musik an: 3. November 2009 – Treffen natürlich wieder im Schloss.

 

                                                                                                E. Müller