Begegnung im Waldpädagogischen Zentrum - Jagdhörner zur Einstimmung

Die älteste Karte, auf der sich der Name ‚Bortorp’ befindet, verdankt ihr Entstehen den Streitigkeiten zwischen dem Erzbistum Köln und den Grafen von Schaumburg-Holstein über die Besitzverhältnisse des Waldes Bischofssondern (Pfändungsvertrag). Arnold Mercator musste die Grenzen mit dem Zeichenstift genauestens fixieren.

Wer ist dieser Arnold Mercator, der vor am 28. Oktober 1579 diese Karte unterzeichnete? Warum  wurde er vor fast 430 Jahren  bemüht, ausgerechnet ein genaues Bild von dem damals unbedeutenden Dorf und seinen Waldungen zu zeichnen?  Wie und wann  kam dieses Dokument nach Bottrop und was können wir daran ablesen? Um diese und andere Erklärungen geht es, wenn die Historische Gesellschaft am Dienstag, 25. November 2008, 18 Uhr – im Zusammenwirken mit der Sparkasse Bottrop  zur Vorstellung und Übergabe eines Abdrucks der bekannten Mercator-Karte an ihre Mitglieder, Freunde und Förderer in das Waldpädagogische Zentrum einlädt. 

„Der kölnische Rat Johan Averdunk meldet pflichtgemäß schriftlich am 25. September 1959 u.a.  ’Er habe zu Magister Arnold Mercator ghen Duisburg geschickt und ihm schriftlich und mündlich hab auffordern lassen, dem 3. oder 4. Octobris ghen Bortorp zu erscheinen, die Besichtigung des Bischofs Sundern zu thun und darüber eine Mappam zu verfertigen’.  So berichtet Dr. R. Schetter in seinem Beitrag  „Die Karte des Arnold Mercator vom Walde Bischofssondern bei Bottrop (1579)“. 

 

Limitierte Auflage

 

Im Vestischen Kalender von 1959 ist das Thema großzügig abgehandelt. Die „Historische“ Gesellschaft rief es in ihrem Gründungsjahr – 1979 – mit Band 1 (und 2) ihrer Schriftenreihe „Beiträge zur Bottroper Geschichte“ auf.  Zeitgleich besorgte sie für ihre Mitglieder einen Nachruck des Originaldokumentes  „Das ist nun fast 30 Jahre her. Schrift und auch der Kartennachruck sind lange vergriffen.“In der letzten Zeit sei man immer wieder auf das Dokument angesprochen worden. Im Zusammenwirken mit der Sparkasse Bottrop könne nun dem vielfachen Wunsch der Mitglieder und Interessenten Rechnung getragen werden. „Der Nachdruck des Kunstwerkes von 1579  - die Jahresgabe 2008/09 als Dankeschön an unsere treuen Mitglieder  - liegt druckfrisch auf dem Tisch“, freut sich die HG.  „Weitere Interessenten können sich melden, solange der Vorrat reicht“, unterstreichen dabei  die Herausgeber (HG und Sparkasse) ,  mit ganz besonderer Empfehlung an Schulen u. ä. öffentliche Einrichtungen. Die Auflage ist auf Stück 1000 limitiert.

 

„Die  historische Bedeutung dieser Mercatorkarte ist unumstritten und für Bottrop, eine im Vergleich mit anderen Gemeinden an Geschichte doch arme Stadt, von unschätzbarem Wert“, heißt es bei der HG. „Sie ist die erste bildhafte Darstellung der Gemeinde Bottrop. Sie will nach eigener Aussage den Wald Bischofssondern beschreiben. Sie will vor allem seine Lage innerhalb seiner Umgebung darstellen und dabei besonders die Besitz- und Berechtigungsver-hältnisse des Waldes Bischofsondern angeben:   ‚Der Streit um Bischofssondern – der „köllnischeWald“, Eigen’ .“

Hätten Sie’s gewusst? Bottrop hatte anno 1579 seine eigene Hinrichtungsstätte, einen Galgen. Galgenbruch konnte ein rüstiger Fußgänger von der Kirche St. Cyriakus aus in gut 25 Minuten erreichen. Auch dieses Wissen danken wir Arnold Mercator. Und wie verhält es sich mit der von ihm verzeichneten Wesselborg, die etwa da gelegen haben könnte, wo wir das ehemalige Straßenbahndepot – heute Brauhaus Bottich – finden?  

Die von Arnold Mercator signierte Karte,  eine Darstellung mit Aquarellfarben auf Leinen gemalte Darstellung (Original), trägt den Titel „Eygentliche Beschreibung und Gelegenheyt des Waldes genandt den Bischofs Sunderen sampt allen seinen proprieteyten“. Sie ist eine Verbindung von Grundriss  und Aufriss und skizziert in einem Maßstab von 1:8000 die Lage des Waldes Bischofssondern. Besonders bemerkenswert ist der Verlauf der Straßen. Mit besonderer Liebe und Sorgfalt verzeichnete der Kartograpoh  die „Wasserläufe“. Straßen und Wege sind hellbraun, die Flüsse dunkelbraun, Wiesen hellgrün, die Wälder in einem dunkleren Grün, die Äcker und Felder braun nach empfunden. Rote Linien markieren die Grenzen. Unten links am Rande: die perspektivische Zeichnung des Dorfes „Bottrop“ mit der Cyriakuskirche.  Interessant sind auch die Angaben über alte Höfe. So heißt es beispielsweise über die Kotten in Fuhlenbrock: „seint alle cölnische Güter des Hofes Nienhausen“.

 

Ein „Kunstwerk“

 

„Würde man das frühe Kunstwerk  heute , im Zeitalter der Luftbildaufnahmen mit fotogrammetrischer Auswertung und automatischen Zeichengeräten, exakt mit einem neuen Katasterplan überlagern, so würden -gewiss - Ungenauigkeiten in Länge und Breite deutlich. „Bei aller Achtung vor Genauigkeit und Präzision der Kartographen und Vermessungsingenieure unserer Tage“, betont die HG,  „bleibt jedoch der tiefe Respekt vor der Leistung Arnold Mercartors und diesem anschaulichen Werk aus der Frühzeit der Katographie.“   Auch das  sei, so die Gesellschaft,  in diesem Zusammenhang „merkwürdig“:   Nach der Mercatorkarte gab es in Bottrop lange nichts, keine wesentlichen Planunterlagen. Abgesehen von zwei Zeugnissen (1717, 1795) brachte erst das neue „Preußische Kataster“ – 1823 – eine brauchbare Unterlage: die  –Gemeindekarte aus dem Jahre 1823/24.

 

Zur Veranstaltung der „Historischen“ mit der Sparkasse Bottrop – 25. November 2008, 18 Uhr, WPZ - sprechen Dr. Hanns W. GroßeWilde, Dr. Günter Korte und ein Vorstand der Sparkasse Bottrop. Das Rahmenprogramm gestaltet die Gruppe der Jagdhornbläser des Hegerings Alt-Bottrop unter der Leitung von Reinhard Kuhfuß. Schüler und Lehrer von Bottroper Grundschulen haben zu dieser Präsentation bereits ihren Besuch angesagt.

                                                                                     Elsbeth Müller