Geschichte erinnern und vor dem Vergessen bewahren

Welmer Reise am Quatember-Mittwoch 14. Mai am Malakoffturm
Weit über 100 waren  am „Quatember-Mittwoch“ nach Pfingsten  gekommen, um gemeinsam mit der Historischen Gesellschaft (HG) Bottrop  das Sommerfest unter der Überschrift „Welheimer Reise“ am und im Malakoffturm an der Knappenstraße zu feiern.  Die Bergkapelle Prosper Haniel spielte auf. Der Jugendchor des Bergwerks mit 38 sangeskundigen Berglehrlingen erfrischte mit seinem Bergmannsgruß-Lied „Glückauf, ihr Bergleut jung und alt“. Gekonnt setzte die Bläsergruppe des Hegerings Alt-Bottrop das musikalische Signal „Zur Begrüßung“ in dicht besetzten Industriedenkmal. 

 

Der Vorsitzende der HG, Dr. Hanns W. Große-Wilde, begrüßte unter großem Applaus die Kaiserin, Anke I.(Klingner)  vom altehrwürdigen Essener Schützenverein von 1390, der sich als Nachfolger der Essener Sebastian-Schützen versteht. Begleitet wurde sie von dem Schützenkönig aus Essen-Katernberg. Versteht sich zudem die Anwesenheit des Vereinsführers  der Alten Allgemeinen,  Dr. Günter Korte. Mit einem herzlichen Hallo wurde die amtierende Königin der Alten Allgemeinen, Gertrud II. (Metzelder) begrüßt. Ebenso herzlich und auch mit einem Blumenstrauß bedacht (überreichtvon HG-Vorstandsmitglied Christoph Grolla)  wurde das Königspaar der Welheimer Schützen, Achim I. und  Edelgard I. (Paulik).  Der Bottroper Ortsschützenbund war vertreten durch die Vorstände Franz Müller und Norbert Ahlmann. Den  Bottroper Sportbund vertrat Wolfhard Brüggemann. Ein besonders herzlicher Gruß mit Glückauf richtete der Vorsitzende an die Ehrengarde der Steiger  namentlich Erwin Mazurek und Rainer Schwegmann. Hanns W. Große-Wilde vermerkte dankbar die ehrenamtlichen Aktivitäten der Ehrengarde, die wöchentlich donnerstags Gäste im Turm empfängt und kundig führt. Nicht weniger herzlich der Willkommensgruß an Dr. Günter Korte und an den Direktor für Personal- und Soziales von Prosper Haniel, Jörg Buhren-Ortmann.

 

Von altersher – Schützen schützen das Gemeinwesen
Dr. Günter Korte in seiner Eigenschaft als Vereinsführer der Alten Allgemeinen Bürgerschützenge-sellschaft Bottrop und Vorsitzender der Kreisjägerschaft Bottrop berichtete engagiert zur Geschichte der Schützen und Jäger. Schütze leite sich ab von  schützen: „Alle wehrfähigen Männer bis zur Vollendung des 40. Lebensjahres mussten als Bauernschützen in den Bauerschaften ‚dienen’. Bei Märkten galt es die innere Sicherheit zu gewährleisten,  die Wege und Straßen gegen Raub und Überfall zu sichern. Die Landesverteidigung war ein weiteres Aufgabenfeld. Katastrophenschutz und die Funktion der Feuerwehr zählten zu ihren weiteren Pflichten.“ Als Dank habe die Bürgerschaft dann jährlich ein Schützenfest abgehalten.“


„Im Verbund der Schützen haben die Jäger gleichsam eine Art Elitetrupp dargestellt“, unterstrich Korte, „Erprobt auf den zahlreichen Wolfsjagden in den Emscherniederungen und Wäldern  – daher auch die Wolfsangeln in unserem Stadtwappen – waren sie besonders schießgeübt und ‚verwegen genug’.“

 

Erzählte Geschichte der Welmer Reise
Dr. Hanns W. Große-Wilde,  erzählte dann kurzweilig die Geschichte der Welheimer Reise., traditonneller in Plattdeutsch „Welmer Reise“ genannt.  „Mit der Begründung der Kommende Welheim um 1250 am Fernwerg von Münster über Welheim, Essen nach Köln und Aachen waren die Schutzfunktionen der
Schützen auf beiden Seiten der Emscher existenziell nachgefragt. Die Essener Sebastian-Schützen  hatten sehr früh dazu beigetragen, dass die Kommende Welheim nicht von Münsteraner Eindringlingen gebrandschatzt wurde. Ferner sicherten sie auf dem Essener Gebiet den Fernweg für reisende Kaufleute,
Handwerker und insbesondere auch für Pilger. Der Deutsche  Ritterorden, ursprünglich eine Hospiz-Bruderschaft, sorgte für Kranke , Arme und gewährte Rast den Pilgern und Reisenden. Als Dank für diese Schutzfunktionen luden die Welheimer Ritter jährlich am Quatember-Mittwoch nach Pfingsten zu einem Umtrunk und Imbiss  auf die Kommende Welheim ein. Dabei kam es in überaus großer Zahl über Jahrhunderte hinweg zu fröhlicher Geselligkeit. Gleichwohl gab es auch Klagen von den Fürstäbtissinnen des Stiftes Essen, dass die Schützen angeblich nur ‚auf Saufen und Fressen aus seien’. Der Komtur von Welheim beklagte sich über Essener, die trotz des Waffenverbotes mit Feuerrohren  auf Tauben das Dach der Kommende beschossen. Diese Streitigkeiten wurden aktenkundig und führten zu Protesten und höchsten Gerichtsverfahren. Am 3. Juni 1789“,  wußte Große-Wilde zu berichten „von dem Beinahe-Krieg zwischen Bottrop und Essen. Der Vestische  Statthalter,  Graf von Nesselrode ,beauftragte den Kommandeur der Vestischen Schützen, Hofrat Jungblodt,  mit 600 Bottroper, Kirchhellener, Marler, Gladbecker und Dorstener Bauernschützen die Übergänge an der Emscher zu sichern und keinen Essener Schützen über die Emscher in das kurkölnische, vestische Gebiet kommen zu lassen.  Eine interne geheime Anweisung an Jungblodt lautete, möglichst keine Gewalt anzuwenden, allenfalls ein oder zwei Anführer, möglichst einen Vornehmen, festzunehmen und bei guter Verpflegung in Haft nach Dorsten  zu nehmen. Als an diesem regnersichen 3. Juni morgens die Essener die aufgestellte  ‚Bauernstreitmacht’ am Plankenschemm gegenwärtigten, zogen sie unter Protest zurück nach Essen. Dieser jährliche Schützenausmarsch, die Welmer Reise, dargestellt als Wandmalerei im Ratssaal der Stadt Bottrop , fand nachweislich zum letzten Male 1801 statt. In der nachfolgenden napoleonischen, französischen Zeit und danach unter Preußens fand dieser Ausmarsch nicht mehr statt. Wahrscheinlich anfangs verboten, da man von der Obrigkeit jedes Zusammentreffen vieler Menschen, insbesondere von Männern und Schützen, als ‚aufrührerisch’  befürchtete. Später dürfte  offensichtlich diese alte Übung in den nachfolgenden Generationen verblasst und vergessen worden sein.“

 

Geschichte erinnern  und vor dem Vergessen bewahren
Dieses Vergessen zu verhindern sei Anlass für das diesjährige  Sommerfest am Malakoffturm gewesen“, führte Gro0e-Wilde weiter aus,  künftig könne vielleicht auf dieser Plattform  am Turm in regelmäßigen Abständen eine Bottroper Gesamtveranstaltung der Schützengesellschaften und Vereine sowie aller anderen Vereine, die sich um die besondere Identifikation mit Bottrop bemühten, durchgeführt werden.

 

Bergbau bleibt Motor der Bottroper Wirtschaft – das „i-Tüpfelchen“ ist die Ausbildung
Visuell -- mit informativen Schautafeln und Bildern -unterlegt -referierte der Direktor für das Personal- und Sozialwesen, Jörg Buhren-Ortmann. vor  den interessierten Gästen zum Stand und zur Perspektive des heimischen Bergbaus. Herauszustellen ist der Sachverhalt, „dass von  circa 30.000 im Bergbau Beschäftigen allein über 6000 Brot und Arbeit in Bottrop finden“. . Auf der Grundlage der erfolgreichen Vorarbeit der Bergwerksdirektoren Reckmann, Stephan und  Hanns Ketteler habe Prosper Haniel eine schon heute  absehbare Zukunft über 2012  hinaus gesichert bis 2018. Neue Techniken und die Gesamtsituation der Frage zur Sicherung der Energieversorgung unserer Volkswirtschaft  eröffne  Perspektiven, die für den Standort Bottrop positiv seien. Der hohe Stand der Ausbildung in Bottrop mit zurzeit fast 400 Azubis sei auch überregional mehr als nur bemerkenswert.  Eine besondere  Perle in der Kette der Ausbildungsaktivitäten, führte Jörg Buhren-Ortmann aus, sei die Aufnahme der gezielten Ausbildung von Gehörlosen und Gehörgeschädigten  in Zusammenarbeit mit der Gehörlosenschule in Essen.

 

Für den sehr kundigen, engagierten und via Bildschirm gut illustrierten Vortrag dankte unter Applaus der HG-Vorsitzende Herrn Jörg Buren-Ortmann. Sein besonderer Dank galt zudem Dr. Günter Korte  sowie der Ehrengarde, der Bergkapelle, den Bläsern und insbesondere dem  engagierten Prosper-Jugendchor.  „Das  ‚i-Tüpfelchen’  auf dem Konzept der Ausbildung ist“, betonte Große-Wilde, „das duale Ausbildungssystem um den musischen Aspekt erfolgreich erweitert zu haben.“

 

Glückauf-Steiger-Lied erklang  im großen Chor
Die sieben Strophen des Bergmannsliedes „Glück auf, der Steiger kommt“ klangen besonderes gut und vielstimmig – nicht nur durch die Begleitung der Bergkapelle, sondern  auch aufgrund des Mitwirkens des singbegeisterten Azubis auf dem Treppenaufgang im Turm. In  ihrer Mitte schmetterte Direktor Jörg Buhren-Ortmann kräftig mit......